Ich bin arm

Vielfalt - das Leben ist bunt

aber nicht dumm!

Was gibt es in diesem Land doch für ein mediales Getöse, wenn es darum geht, den § 218 und damit die Abtreibung zu reformieren. Den Paragraf gibt es seit 1871 und stellte zu diesem Zeitpunkt eine Abtreibungen grundsätzlich unter Strafe. Erst 1927 wurden Abtreibungen aus medizinischen Gründen zugelassen.

Bemühungen von SPD und KPD, den Paragrafen in der Zeit der Weimarer Republik zu reformieren oder gar zu streichen, waren stets gescheitert.

„Nach der heute gültigen Regelung ist ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig. Er bleibt aber straffrei, wenn er innerhalb der ersten drei Monate und nach einer Konfliktberatung durchgeführt wird. Nicht rechtswidrig ist eine Abtreibung ausdrücklich, wenn eine medizinische oder kriminologische Indikation vorliegt.“

Quelle: Bundestag

Heute, 155 Jahre später, meint der deutsche Staat noch immer das Recht zu haben, über den Körper jeder Frau und deren Lebensplanung zu entscheiden. Und immer sind es die „christlichen“ Parteien, die eine sinnvolle Reform zugunsten der Frauen verhindert.

Ich schreibe das „christlich“ in Anführungszeichen, weil gerade die letzten Monate deutlich gezeigt haben, dass sowohl die CDU als auch die CSU christliche Werte nur dann anführen um Menschen zu kontrollieren und zu gängeln. In der Praxis spielen christliche Werte überhaupt keine Rolle mehr.

Warum ich so weit aushole? Weil direkt nach der Geburt der Staat und gerade die oben genannten christlichen Parteien überhaupt kein Interesse mehr an Kindern haben.

Das lässt sich in vielen Bereichen aufzeigen. Ich habe die kindliche Bildung als Themenschwerpunkt gewählt, denn es ist frapierend, wie in einer zunehmend älter werdenen Gesellschaft mit schon existentem Fachkräftemangel in einem der reichsten Länder Europas und der Welt das Potential von vielen Millionen Kindern einfach nur deshalb nicht ausgeschöpft wird, weil sie nicht gutsituiert sind.

Vera Freundl, Bildungsforscherin am ifo-Institut sagt dazu: „Der Accident of Birth – der Zufall der Geburt – entscheidet, in welche Familie ein Kind hineingeboren wird. In einer chancengerechten Welt hätte das keinen Einfluass auf den Lebensweg. Doch die Daten (des Mikrozensus 20229 zeigen unglaublich große Unterschiede zwischen Kindern aus benachteiligten und besser gestellten Familien in Deutschland. Das können wir uns als Gesellschaft nicht leisten.“

Hier mal ein paar Fakten dazu:

  • 72,6% der Kinder gehen auf das Gymnasium, wenn beide Eltern Abitur haben
  • 53,5% der Kinder gehen auf das Gymnasium, wenn ein Elternteil Abitur hat
  • 25,3% der Kinder gehen auf das Gymnasium, wenn kein Elternteil Abitur hat

Liegt das Haushaltseinkommen über 6.000 € monatlich, besuchen 64,9% der Kinder das Gymnasium. Liegt es unter 2,750 €, sind es nur noch 24,6 % der Kinder, die das Gymnasium besuchen. Ist das Elternteil alleinerziehend, sind auch hier die Chancen geringer, dass ein Gymnasium besucht wird. Dasselbe gilbt für Eltern mit Migrationshintergrund. Mädchen gehen öfter auf das Gymnasium als Jungen. Ebenso sind sie in der Regel besser ausgebildet, was sich jedoch nicht bei der Bezahlung (Gender-Pay-Gab) abbildet.

„Das Schulsystem ist bankrott,“

sagt die ehemalige Schulleiterin und Autorin Silke Müller. In ihrem Buch „Schule gegen Kinder“ beschreibt sie die Schwachstellen der aktuellen länderbasierten Schulpolitik.

„Wenn man sich die marode Infrastruktur, den Personalmangel und die schlechte mediale Bildung ansieht, kann man auch von einer Bankrotterklärung des Schulsystems sprechen.“

Der Grund ist ihrer Ansicht nach, dass wir uns in Deutschland schlecht eingestehen können, wenn etwas nicht gut läuft. Mit der Folge, dass dieses mangelhafte Problembewusstsein umfangreiche und gut durchdachte Lösungen in der Bildung (und auch in anderen Lebensbereichen) verhindert.

„Gute Bildung darf nicht davon abhängen, wo ein Kind geboren ist. Wir sind zu arrogant, um die Wunde offenzulegen und echte Heilung anzugehen.“

Tja, und in Sachen Arroganz ist dieser Bundeskanzler und mit ihm die Regierung ja wirklich unschlagbar.

Das heutige Schulsystem ist 200 Jahre alt und hat seine Wurzeln in der industriellen Revolution. Heute stehen wir vor einer digitalen Revolution mit KI und einem zunehmend vielfältigeren und schnelllebigeren Umfeld. Doch die Antworten auf Bildung im 21. Jahrhundert haben zu keiner grundlegenden Änderung von Schule und Unterricht geführt.

Hinzukommt, dass viele Schulgebäude marode sind – Unis übrigens auch. Noch immer gehören Kreidetafeln zur Standardausstattung. Unbequeme Stühle, undichte Fenster oder Dächer, Toilette, deren Zustand sich eigentlich kaum mehr beschreiben lässt und Schulgebäude, die an Tristesse kaum zu überbieten sind, sind der Lebensalltag der meisten Schulkinder in Deutschland.

Kein Erwachsener würde sich in so einem maroden Umfeld aufhalten wollen, aber unser reiches Land mutet das seinen Kindern zu. Ich rede nicht von den paar Schulen, die Dank „extremes Engagement Einzelner und das Unterwandern von Regeln“ anders funktionieren.

„Deutschland hat seine Verantwortung nicht wahrgenommen. Und was noch schlimmer ist, ist, dass es Deutschland noch nicht mal klar ist, dass es die Kinder verliert und dass es sich nicht ausreichend um sie kümmert.“

Die Fakten sind seit Jahrzehnten bekannt

„Den Kindern geht es nicht gut. Dass man hier nicht jede finanzielle und personelle Kraftanstrengung unternimmt, zeigt: Kinder haben keine Lobby. Mit ihnen lässt sich kein schneller Profit machen. Man vertröstet das Thema Bildung wegen anderer Krisen, aber das ist ein fundamentaler Fehler. Diese Kinder sind die, die künftig unsere Probleme lösen sollen. Wir ziehen uns gerade eine psychisch belastete Generation heran, die der Gesellschaft später noch viel teurer zu stehen kommen wird.“

Quelle: Interview mit Silke Müller

Hier geht es zum Buch

Um diesen Zustand zu verhindern muss viel Geld in die Hand gekommen werden. Es muss radikal investiert werden und das System des Bildungsförderalismus – also dass die jeweiligen Länderregierungen die Bildung unter ihrer Ägide haben – muss genauso in Frage gestellt werden wie bundesweite Standards und ein Expertenteam, das unabhängig von Wahlen und politischen Spielchen ist.

Die Realität ist jedoch eine andere

Die Sparvorschläge, die in der Regierung von Bund und Ländern zusammen mit Spitzenverbänden unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden, spricht eine ganz andere Sprache. Milliarden sollen bei den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, den Kinder und den Behinderten gestrichen werden.

Das Sondervermögen der Bundesregierung wurde laut Wirtschaftsinstituten 2025 hauptsächlich zur Deckung von Haushaltslücken genutzt, statt für zusätzliche Investitionen, wie ursprünglich versprochen. Also ist von hier auch kein Geld zu erwarten

Und wie sieht eine AfD-Lösung in der Bildung aus?

Werfen wir mal einen Blick auf das Regierungsprogramm für das Land Sachsen-Anhalt. Dort steht die AfD an der Spitze der Umfragen und es kann passieren, dass dieses – nachgewiesenermaßen in Teilen rechtsextreme Partei – die Regierung stellt und damit die Bildung in diesem Land bestimmt.

Ein Schulalltag sähe dann so aus:

Dein Kind kommt auf den Schulhof und wird von einem uniformierten Wachdienst empfangen. Vor der Schule weht die Deutschlandfahne und die Plakette „Schule ohne Rassismus“ ist abmontiert. Es geht in die 3. Klasse und in dem Klassenraum gibt es keine digitalen Geräte. Es gibt nur Hefte und Bücher und die „gute alte Wandtafel“.

An der Tafel steht der Lehrer, dein Kind als Autorität anerkennen muss, den es nie in Frage stellen darf und der im typischen Frontalunterricht der letzten Jahrhunderte Wissen vermittelt.

Dein Kind wird viel geprüft und erhält jede Menge Hausaufgaben und tzrodem erhält es immer schlechtere Noten, weil der Bewertungsschlüssel pauschal angehoben wurde. In der Klasse deines Kindes sind keine behinderten Kinder mehr, weil diese ja „die Leistung der gesamten Klasse mindern“ und auch keine Kinder mit Migrationshintergrund. Diese werden in separaten Klassen unterrichtet.

In der 4. Klasse schreibt dein Kind zentrale Klassenarbeiten, deren Ergebnis dann entscheidet, auf welche weiterführende Schule dein Kind gehen darf. Du als Elternteil hast darauf keinen Einfluss denn nur 25 % eines Jahrgangs sollen überhaupt aufs Gymnasium gehen dürfen. Nur wenn es gute Noten schreibt, wird dein Kind Preise und Belobigungen erhalten. In diesem System zählt nur Leistung.

Wenn es den Druck nicht standhält, steht es alleine da. Schulsozialarbeitende und -psychologen werden abgeschafft. Soziale Kompetenzen gehören nicht zum Lerninhalt, es zählt nur die Vermittlung von „Kulturtechniken“ wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Und erst wenn dein Kind die Nationalhymne gesungen hat, darf es zu dir nach Hause gehen.

Willst du das wirklich für dein Kind / deine Kinder?

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