Trautes Heim

Vielfalt - das Leben ist bunt
„Besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen!“

Diesen Satz sagte Dirk Peglow, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter e.V. und Ersten Kriminalhauptkommissar in einem heute Journal Interview auf die Frage: Was raten Sie Frauen? Die Anwort lautete: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer und physischer Gewalt zu werden.“

Es ist 2026 und noch immer ist es so „dass die Tatverdächtigen im Bereich der Sexualstraftaten zu 98,6 Prozent männlich seien; in rund drei Viertel der Fälle hätten sich Opfer und Tatverdächtige bereits zuvor gekannt. Dazu käme ein großes Dunkelfeld. Im „heute journal“ sagte er, dass es eben „nicht der fremde Mann, der hinter dem Busch wartet“ sei.“

Für Frauen ist das eigene Zuhause der Ort, an dem sie Gewalt bis hin zum Tod erfahren. Es ist der Ehemann, der Exmann, der Lebensgefährte, der Bekannte, der Bruder, der Vater, der Onkel, der Cousin, der das Leben von Frauen bedroht und unsicher macht.

Es sind die Fälle wie der von Gisèle Pelicot, Collien Fernandes oder des Studenten, der seine Nachbarin über Monate betäubt und vergewaltigt hatte. Er war in einer Telegram-Gruppe, in der sich acht Männer darüber austauschten, wie sie Frauen betäuben und vergewaltigen können.

Sie gaben sich Tipps, welche Medikamente man wie dosiert und verabreicht. Sie teilten Fotos und Videos ihrer Taten im Chat und feierten sich gegenseitig dafür. In der Gruppe kommunizierten die Männer mit einer Art Geheimsprache. Frauen waren für sie „Autos“, sich selbst nannten sie „Autofahrer“. Die Medikamente bezeichneten sie als „Öl“ oder „Sprit“. Wenn die Frauen betäubt vor ihnen lagen, nannten sie sie „tote Schweine“.

Quelle: Tagesschau

Allerdings gelangen nur die wenigsten Fälle Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Es gibt bei allen Statistiken ein großes Dunkelfeld weil viele Frauen den Gang zur Polizei scheuen. Die Befürchtung, dass ihnen nicht geglaubt wird, ist nach wie vor riesengroß. Aber auch die Tatsache, dass Femizide in Deutschland derzeit unter allgemeinen Tötungsdelikten geführt werden, wobei eine bundeseinheitliche Definition und Statistik fehlt, was die Erfassung – und erschwert.

Schon junge Menschen erfahren sexualisierte Gewalt

Das Ergebnis einer Umfrage des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit 2025 zeigt, dass fast zwei Drittel der jungen Menschen von unter 14 bis 25 Jahren sexualisierte Gewalt erlebt haben.

Männliche und weibliche Befragte sind insgesamt in etwa gleich häufig von sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt betroffen, allerdings unterscheiden sich die erlebten Gewaltformen.

Unter den jungen Männern etwa gaben 49 Prozent an, dass ihnen gegenüber schon einmal »schwul« als Beleidigung benutzt wurde. 37 Prozent der jungen Frauen berichteten, online schon einmal sexuell belästigt worden zu sein, 36 Prozent erlebten sexuelle Kommentare oder Beleidigungen offline.

Knapp ein Drittel der Befragten (29 Prozent) gab an, mindestens einmal sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt erlebt zu haben – also erzwungene körperliche Berührungen oder sexuelle Handlungen. Junge Frauen sind laut Befragung davon doppelt so häufig betroffen wie junge Männer. Auch bei körperlicher sexueller Gewalt sind Befragte, die sich als homosexuell oder bisexuell identifizieren, besonders häufig betroffen (57 Prozent gegenüber 26 Prozent).

Die Auswertung zeigt, dass Jugendliche häufig durch Gleichaltrige sexualisierte Gewalt erfahren. Oft seien auch andere Gleichaltrige bei den Taten dabei oder wüssten davon.

Quelle: www.bioeg.de

Digitale Gewalt

Formen digitaler Gewalt

Cyberstalking. Hierbei werden u.a. Personen verfolgt, bedroht, beobachtet, überwacht terrorisiert und/oder verunglimpft. Eine digitale Überwachung kann durch Spionage-Apps oder Familien-Apps, die auch Ortungsdienste beinhalten und Kamera sowie Mikrofon aktivieren. Das Verstecken von Airtags im Gepäck, in der Kleidung oder im Spielzeug der (Ex-)Partnerin oder gemeinsamen Kinder ermöglicht eine permanente Ortung der Person.

Die Einrichtung eines Smart Homes – also die Möglichkeit Geräte im Haus über das Netz fernzusteuern – kann neben möglichen Erleichterungen auch dazu führen, dass die darin befindliche Person rund um die Uhr überwacht wird. Auch können psychische Gewalthandlungen durch den Einsatz von Smart-Home-Komponenten verstärkt werden; dies ist etwa der Fall, wenn Geräte (z.B. Heizung oder Türschloss) heimlich von außen gesteuert werden, die Manipulation aber geleugnet wird.

Doxing. Damit wird das Veröffentlichen von Kontaktdaten oder das Erstellen von Fake-Profilen beschrieben, unter anderem in Verbindung mit Gewaltaufrufen. Häufig wird Doxing mit Deepfaking kombiniert.

Bildbasierte sexualisierte Gewalt ist, wenn z.B. einvernehmlich hergestelltes intimes Material ohne Zustimmung verbreitet wird.

Als Cyberharassment wird digitale sexuelle Belästigung bezeichnet. Hiermit ist der unerwünschte Erhalt von pornografischem Material, sexuellen Avancen oder Nachrichten mit explizit sexuellem Inhalt (Sexting) gemeint.

Und was macht die Bundesregierung?

Einmal mehr zeigt der 2. Wahl Kanzler auf seine Lieblingsfeindgruppe, Zuwanderer bzw. Menschen mit Migrationshintergrund. Mit diesem Akt der Realitätsverweigerung in Bezug auf Gewalt gegen Frauen sagt er nicht einfach nur etwas dazu, er verschiebt den ganzen Fokus.

Es geht nicht mehr zuerst um Frauen, nicht zuerst um Täter, nicht zuerst um Frauenhass, Macht und Kontrolle. Es geht um Herkunft.

Denn wenn ein Kanzler bei Gewalt gegen Frauen den Blick auf „Zuwanderer“ lenkt, dann rücken die Männer aus der Mitte dieser Gesellschauf aus dem Bild:

  • Die deutschen Männer
  • Die Ehemänner
  • Die Ex-Partner
  • Die Typen im Freundeskreis
  • Die Männer, die online hetzen, kontrollieren, bedrohen, erniedrigen
  • Die Männer, die nicht auffallen wollen und genau deshalb so oft nicht auffallen

Also genau die, über die dann wieder zu wenig gesprochen wird.

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass es mir nicht um Männerhass geht. Es geht mir darum aufzuzeigen, dass auch 2026 Frauen in ihrem persönlichen Umfeld nicht sicher sind, dass sie sich nicht ohne Angst Abends oder Nachts in der Öffentlichkeit bewegen können. Dass sie z. B. nicht die Kleidung tragen können, die sie möchten, sondern in bestimmten Situationen darüber nachdenken müssen, wie sie sich durch weniger körperbetonter Kleidung aus dem Blickfeld von Männern entschwinden.

Wir sind noch 131 Jahre von der Zeit entfernt, in der wir alle gleichberechtigt leben können – das hat das Weltwirtschaftsforum für den Global Gender Gap Report 2022 ausgerechnet. Vorausgesetzt, die Entwicklung geht in der Art weiter und nicht wie in den USA und anderen Länder und auch von der AfD gefordert, wieder zurück.